Moderation: Prof. Dr. Heidrun Thaiss, München
Priorisierte Maßnahmen
- Schulgesundheitsfachkräfte flächendeckend etablieren
- Eine dauerhafte Finanzierung und einheitliche Qualifikationsstandards sicherstellen
Einordnung und Begründung
Krebsprävention beginnt im Kindes- und Jugendalter – darum kommt der Institution Schule hier eine Schlüsselrolle zu. Als einzige Institution erreicht sie aufgrund der Schulpflicht nahezu alle Kinder und Jugendlichen – und darüber hinaus auch deren Familien. Institutionell verankern lässt sich Prävention über dezidierte Schulgesundheitsfachkräfte (School Nurses; SGFK).
In Deutschland sind bislang etwa 150 SGFK im Einsatz., sowohl in Modellprojekten wie auch in einigen Bundesländern und Kommunen verstetigt. Schulgesundheitsfachkräfte übernehmen im Alltag eine wichtige Lotsenfunktion zwischen Schule, Elternhaus und Gesundheitssystem – gerade für Familien mit Sprachbarrieren aus sozial schwachen Strukturen oder ohne Hausarztanbindung. Um das Potenzial von Schulgesundheitsfachkräften für die Krebsprävention zu heben, muss die Bindung an zeitlich befristete Projektfinanzierungen durchbrochen werden – es braucht stattdessen eine systemische, nachhaltige Verankerung an jeder Schule in Deutschland. Nachholbedarf besteht darüber hinaus auch bei Lernmaterialien für Lehrkräfte, etwa zu Ernährung und HPV.
Best-Practice: Gesundheitsfachkräfte an Schulen
Schulgesundheitsfachkräfte bringen Prävention dorthin, wo wir nahezu alle Kinder, Jugendlichen und deren Familien erreichen: in die Schulen. Wir fördern die Gesundheitskompetenz, erkennen früh Risikofaktoren, verankern Prävention fest im Alltag und stellen die Teilhabe am Unterricht sicher. Gerade bei Themen wie Ernährung, Bewegung, Sonnenschutz oder HPV liegt darin ein enormes Potenzial für nachhaltige Krebsprävention.
Nadine Haunstetter, Schulgesundheitsfachkraft aus Stuttgart
Im Kontext der Schulen besteht die Chance, gesundheitsförderliche Verhaltensweisen früh zu verankern und zugleich Familien in ihrer ganzen Breite zu erreichen. Im Interesse von klaren Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten ist das Berufsbild der Schulgesundheitsfachkraft entstanden: Eine aus der Kinderkrankenpflege kommende Fachkraft mit Berufserfahrung und Weiterbildung, die an der Schule zum einen das Bewusstsein für Gesundheit, Ernährung, Bewegung und Risikofaktoren stärkt und Impfausweiskontrollen durchführt, und zum anderen chronisch kranke Kinder versorgt (bis zu 25% auch mit onkologischen Erkrankungen). In Deutschland gibt es bereits rund 150 dieser Schulgesundheitsfachkräfte.
Noch sind Gesundheitsfachkräfte an Schulen größtenteils projektfinanziert. Wichtig wäre, entsprechende Stellen für Gesundheitsfachkräfte fest an allen Schulen zu verankern.
- Verbesserte gesundheitliche Versorgung von Schülerinnen und Schülern (Besonders profitieren Kinder mit chronischen Erkrankungen und erhöhtem Unterstützungsbedarf)
- Steigerung der Gesundheitskompetenz
- Verringerung von Fehlzeiten
- Entlastung von Lehrkräften und Schulverwaltungen
- Entlastung berufstätiger Eltern
- Hohes Einsparpotenzial bei Rettungseinsätzen
- Return on Invest (Diabetes 1:32, Psychische Erkrankungen 1:43)
- Direkte Ansprache der Zielgruppe (Kinder und Jugendliche)
- Ergänzung der rein edukativ ausgerichteten Rahmenlehrpläne um Erfahrungswissen und Verhaltensedukation
- Finanzierung außerhalb des Bildungssystems (teilweise auch in Kooperation von Bildung und Gesundheit)
- Angliederung an die Gesundheitsstruktur (ÖGD; Kinder- und Jugendgesundheitsdienste übernehmen Fachaufsicht und Qualitätssicherung); Brückenfunktion zwischen Bildungssystem und Gesundheitssystem