Moderation: Prof. Dr. Ulrike Haug, Bremen
Priorisierte Maßnahmen
- Verschiedene niedrigschwellige Zugangswege zu Präventionsangeboten, etwa über Apotheken, Gesundheitshäuser und Schulen, ausbauen und Begleitforschung sicherstellen
- Lokale Netzwerkstrukturen fördern und sichtbar machen
Einordnung und Begründung
Prävention muss dort ansetzen, wo Menschen leben und ihren Alltag verbringen. Prävention darf daher nicht ausschließlich als Aufgabe des Gesundheitssystems verstanden werden, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Die niedrigschwellige und wiederholte Ansprache von Präventionsthemen in den verschiedenen Lebenswelten der Menschen ist dabei von zentraler Bedeutung. Um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen, ist eine zielgruppengerechte Kommunikation notwendig.
Niedrigschwellige Präventionsangebote außerhalb des regulären Gesundheitsversorgungssystems (Krankenhäuser, ambulante Versorgung und ÖGD) – ohne feste Termine, mitten im Stadtteil und nah an den Lebensrealitäten der Menschen – können außerdem Haus- und Facharztpraxen entlasten und gezielt Menschen erreichen, die sonst wenig Kontakt zum Gesundheitssystem haben. Wie dies gelingen kann, zeigt das Beispiel der Gesundheitshäuser in Hamburg. Aber auch bereits bestehende flächendeckende und niedrigschwellige Strukturen sollten genutzt werden. Beispielsweise bieten sich mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) neue Möglichkeiten, die Rolle der Apotheken in der Prävention auszubauen. Eine Begleitforschung zur Ausgestaltung und Evaluation der Wirksamkeit dieser neuen Ansätze ist notwendig.
Hinzu kommt: Präventionsangebote müssen in ländlichen Regionen anders gestaltet werden als in Städten und urbanen Quartieren.
Best-Practice: Community Health Nurses
Wir beraten Menschen in verschiedenen Sprachen und agieren als Lotse, vermitteln sie in Arztpraxen oder in den Sozialraum, etwa in Beratungsangebote oder zu Selbsthilfegruppen.
Oliver Manske, Gesundheitshaus Hamburg
Community Health Nurses bieten niedrigschwellige Beratung, führen pflegefachliche Ersteinschätzungen durch und lotsen Menschen gezielt in die medizinische Versorgung – insbesondere Menschen in prekären Lebensumständen, mit Sprachbarrieren, ohne Hausarztanbindung oder mit geringen Gesundheitskenntnissen.
Im Hamburger Gesundheitshaus arbeiten Community Health Nurses interprofessionell mit Ärzt:innen und sozialen Einrichtungen zusammen.
Eine regelhafte Integration in die Gesundheitsversorgung wäre wünschenswert.
Die wissenschaftliche Evidenz aus internationalen Studien ist insgesamt positiv. Community Health Nurses können:
- die Gesundheitskompetenz von Patientinnen und Patienten verbessern,
- das Selbstmanagement bei chronischen Erkrankungen stärken,
- die Kontinuität der Versorgung erhöhen,
- Prävention und Früherkennung verbessern,
- Krankenhausaufenthalte und vermeidbare Notfallkontakte reduzieren,
- gesundheitliche Ungleichheiten verringern.
- Etablierte Netzwerkknotenpunkte zu Informationen und Kontakten
- Leitfunktion für personalisierte Versorgungspfade
- Interdisziplinäre und intersektorale Brückenfunktion
- Anbindung an bestehende Strukturen