Luftverschmutzung gilt als das größte umweltbedingte Gesundheitsrisiko weltweit. Auch in Deutschland ist die Belastung erheblich und erhöht das Risiko, an Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Krebs zu erkranken. Allein 2023 starben hier rund 21.500 Menschen an den Folgen der Feinstaubexposition. Die neue EU-Luftqualitätsrichtlinie sieht ab 2030 strengere Grenzwerte für zentrale Luftschadstoffe sowie ein umfassenderes Monitoring der Luftqualität vor. Die Umsetzung der neuen Richtlinie muss Deutschland bis Dezember 2026 im Bundes-Immissionsschutzgesetz verankern.
Beim Parlamentarischen Frühstück „Saubere Luft – weniger Krebs: Wie gute Luftqualität zur Prävention beiträgt“ unter der Schirmherrschaft von Sascha van Beek MdB wurden, auf Basis aktueller Forschungsergebnisse zu Luftverschmutzung und Krebsprävention, Ansätze für eine wirksame Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinie diskutiert. 27 Teilnehmende aus Politik, Bundesministerien, Behörden und Wissenschaft folgten am 7. Oktober 2026 der Einladung des Helmholtz-Forums Erde und Umwelt und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) ins Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestags.
Marie Heidenreich (Leitung Helmholtz-Forum Erde und Umwelt) hieß die Teilnehmenden willkommen und stellte die Themen des Parlamentarischen Frühstücks sowie das Factsheet vor, das begleitend zur Veranstaltung veröffentlicht wurde. Zudem verwies sie auf das Projekt ACT-AQ des Helmholtz-Forums Erde und Umwelt, in dem fünf Helmholtz-Zentren gemeinsam mit Partnern aus der Leibniz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft daran arbeiten, den Forschungsstand zu Luftschadstoffen zusammenzuführen, bestehende Wissenslücken zu schließen und die Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinie in Deutschland wissenschaftlich zu begleiten.
Unser Maßstab sollte sein, echte Verbesserungen in der Luftqualität zu erreichen.
Sascha van Beek, MdB
Nachfolgend begrüßte Schirmherr Sascha van Beek MdB die Teilnehmenden. Als Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags benannte er Luftverschmutzung als eine der größten Umweltbelastungen, für die die Politik Verantwortung übernehmen muss: „Unser Maßstab sollte sein, echte Verbesserungen in der Luftqualität zu erreichen“. Mit Blick auf die Rolle der Wissenschaft betonte er, dass diese gemeinsam mit Politik und Industrie eng an der Entwicklung von Lösungen zusammenarbeiten muss.
Anschließend folgten drei Impulsvorträge von Expertinnen und Experten.
Prof. Dr. Anke Nölscher vom Forschungszentrum Jülich hielt einen Impulsvortrag zur Entstehung zentraler Luftschadstoffe und zu aktuellen Herausforderungen für die Luftqualität. Sie erläuterte die Quellen von Stickoxiden und Feinstaub sowie die Bildung von Ozon. Ebenso thematisierte sie den grenzüberschreitenden Transport von Feinstaub sowie hohe Ozonwerte während Hitzeperioden. Als weitere Herausforderung stellte sie den Zusammenhang zwischen bestimmten Partikeln und gesundheitlichen Belastungen heraus.
Als Leiterin des Krebsinformationsdienstes des DKFZ, welcher kostenlose, wissenschaftlich fundierte und unabhängige Informationen rund um das Thema Krebs anbietet, sprach Dr. Susanne Weg-Remers zu Luftverschmutzung als Krebsrisiko. Sie verdeutlichte, dass Luftschadstoffe auch weitere Erkrankungen verursachen und Menschen in Städten wie auf dem Land betreffen. Da Einzelne ihre Belastung nur begrenzt beeinflussen können, plädierte sie für die Schaffung gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen, die Risiken unabhängig vom individuellen Verhalten verringern.
Dr. Volker Matthias vom Helmholtz-Zentrum Hereon stellte unter dem Titel „Zero Pollution 2050: Sind wir auf dem richtigen Weg?“ die prognostizierten Luftschadstoffemissionen für unterschiedliche Sektoren bis 2050 vor. Er erläuterte, wie die Elektrifizierung von Verkehr und Gebäudeheizung zu deutlichen Emissionsminderungen beitragen kann. Zugleich zeigte er, wo Belastungen trotz dieser Fortschritte relevant bleiben: etwa durch Reifenabrieb im Straßenverkehr, mögliche zusätzliche Ammoniakemissionen bei neuen Schiffstreibstoffen sowie ultrafeinen Partikel aus dem Luftverkehr.
Abschließend stellten die drei Forschenden zentrale Handlungsoptionen für die Bundespolitik vor. Dazu zählen Luftreinhaltung ressortübergreifend und gesundheitsorientiert zu verankern und die EU-Luftqualitätsrichtlinie frühzeitig umzusetzen sowie Emissionen im Verkehrs-, Energie-, Gebäude- und Landwirtschaftssektor weiter zu senken.
Im Anschluss entwickelte sich ein lebhafter Austausch zwischen Bundestagsabgeordneten, Mitarbeitenden des Bundestags, den Vortragenden sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung und Zivilgesellschaft.
Im Mittelpunkt standen:
- Innovationen im Verkehrssektor zur weiteren Reduzierung von Emissionen im Straßen-, Schiffs- und Luftverkehr
- Die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für den Gesundheitsschutz
- Die Umsetzung umfassender Monitoring-Programme zur Verbesserung der Datengrundlage und gezielten Verringerung des Eintrags gesundheitsschädlicher Luftschadstoffe
Mit Blick auf die Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinie im Bundes-Immissionsschutzgesetz wurde zudem aufgezeigt, wie Emissionsminderungen mit wirtschaftlicher Entwicklung einhergehen können, etwa durch die Vermeidung krankheitsbedingter Ausfälle und der damit verbundenen Produktionsverluste
Zum Abschluss dankte Sascha van Beek MdB den Teilnehmenden und betonte, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität dort ansetzen müssen, wo sie den größten gesundheitlichen Effekt erzielen. Zugleich unterstrich er, dass wirtschaftliche Interessen berücksichtigt werden sollten. Ebenso verwies er auf den weiterhin bestehenden Forschungsbedarf zu den gesundheitlichen Folgen von Luftschadstoffen und unterstrich die Bedeutung, das gesellschaftliche Bewusstsein für diese Themen weiter zu stärken.