Handlungsfeld 1: Krebsprävention als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe ­ressort- und politikfeldübergreifend verankern

Moderation: Prof. Dr. Ute Mons, Heidelberg

Priorisierte Maßnahmen

  • Eine systematische Gesundheitsfolgenabschätzung in allen Gesetzgebungsprozessen einführen
  • Rolle der „Berichterstatter:in für Prävention“ in allen parlamentarischen Fraktionen einführen und spiegelbildliche Koordinationsstrukturen in Ministerien schaffen

Einordnung und Begründung

Der vielfach empfohlene Health-in-All-Policies-Ansatz ist in der deutschen Politik bislang nicht verbindlich verankert. Um Krebsprävention, idealerweise eingebettet in einen übergreifenden Ansatz der Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung, systematisch in allen relevanten Politikfeldern zu berücksichtigen, braucht es jedoch eine verbindliche Gesundheitsfolgenabschätzung in allen Gesetzgebungsprozessen. Eine solche Gesundheitsfolgenabschätzung würde die Co-Benefits zwischen Politikbereichen sichtbar machen, wie beispielsweise der Zusatznutzen einer gesunden Bevölkerung für eine leistungsfähige Wirtschaft, und so die gemeinschaftliche Verantwortung für die Bevölkerungsgesundheit fördern.

Vonseiten des Parlaments braucht es dafür klare Verantwortlichkeiten und verbindliche ressortübergreifende Koordinierungsstrukturen. Ein Ansatz könnte darin bestehen, in den parlamentarischen Fraktionen jeweils die Rolle einer/eines „Berichterstatters/in für Krankheitsprävention“ einzuführen. 

Auf Regierungsseite sollten spiegelbildlich klare Verantwortlichkeiten in den Ministerien eingerichtet und ressortübergreifende Zuständigkeiten geklärt werden, um Krankheitsprävention als Querschnittsaufgabe zu verankern und Silodenken aufzubrechen. 

Best-Practice: Gesundheitsregionenplus in Bayern

Das bayerische Modell der Gesundheitsregionenplus bringt die relevanten Akteure aus den Bereichen Gesundheitsförderung, medizinischer Versorgung, Prävention und Pflege in einem regionalen Netzwerk zusammen – im Schnitt über 100 je Region. So können die Angebote besser auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnitten und Doppelstrukturen vermieden werden. Die Gesundheitsregionenplus haben bereits zahlreiche Projekte angestoßen, etwa HPV-Informationsangebote an Schulen oder Initiativen zum UV-Schutz und zur Hautkrebsprävention.

Die Gesundheitsregionenplus schaffen Synergien und bringen die richtigen Akteure an einen Tisch“, sagt Dr. Alexander Steinmann vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention. Das Modell zeige, wie Prävention vor Ort wirksam organisiert werden kann. Jede Gesundheitsregionplus ist mit einer koordinierenden Stelle am Gesundheitsamt ausgestattet. 

Wichtig wäre, vergleichbare Netzwerkstrukturen bundesweit zu etablieren, langfristig zu stärken und sie mit Forschung zu verknüpfen, so dass präventive Maßnahmen systematisch auf ihre Wirksamkeit hin evaluiert und optimiert werden können.

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